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Luft-Wasser-Wärmepumpe oder Erdwärme: Was passt zu Ihrem Haus?

Kurz gesagt

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe passt zu fast jedem Grundstück und ist günstiger in der Anschaffung. Erdwärme arbeitet laut Fraunhofer-Feldtest effizienter, braucht aber Bohrung oder Kollektorfläche und eine Prüfung durch die Wasserbehörde. Für beide Systeme gelten dieselben KfW-Fördersätze.

3,4mittlere Jahresarbeitszahl von 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandshäusern (Spanne 2,6 bis 4,9)
4,3mittlere Jahresarbeitszahl von 16 Erdreich-Wärmepumpen in Bestandshäusern (Spanne 3,6 bis 5,4)
rund 80 %der 2022 neu installierten Wärmepumpen nutzten Luft als Wärmequelle
über 100 mtiefe Bohrungen fallen zusätzlich unter das Bergrecht (Anzeige mindestens zwei Wochen vor Beginn)

Zwei Wärmequellen, ein Prinzip

Jede Wärmepumpe holt Wärme aus der Umgebung und hebt sie auf Heiztemperatur. Der Unterschied liegt in der Quelle. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe nutzt die Außenluft. Ein Ventilator saugt sie an, meist steht das Gerät neben dem Haus.

Die Erdwärmepumpe, auch Sole-Wasser-Wärmepumpe genannt, nutzt die Wärme im Boden. Dafür gibt es zwei Wege: eine senkrechte Erdsonde in einem Bohrloch oder einen flachen Kollektor. Den Kollektor verlegt man laut Verbraucherzentrale etwa bis zu 2 Meter tief unter der Erdoberfläche. Eine dritte Variante nutzt Grundwasser über zwei Brunnen. Sie ist genehmigungspflichtig und in Wasserschutzgebieten oft ausgeschlossen.

In der Praxis dominiert die Luft. Nach Angaben des Umweltbundesamts nutzten 2022 rund 80 Prozent der neu installierten Wärmepumpen die Außenluft als Quelle.

Effizienz: Was der Feldtest zeigt

Der Boden hat im Winter eine relativ hohe und gleichmäßige Temperatur. Die Außenluft ist dann deutlich kälter. Deshalb gelten Erdreich und Grundwasser beim Umweltbundesamt als die besseren Wärmequellen.

Das Fraunhofer ISE hat über vier Jahre 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern gemessen. Die Luft-Wasser-Geräte erreichten im Mittel eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Die Erdreich-Wärmepumpen kamen im Mittel auf 4,3. Eine höhere Zahl bedeutet: weniger Strom für dieselbe Wärme. Der Heizstab spielte bei den Luftgeräten mit 1,3 Prozent des Stroms eine kleine Rolle, bei Erdwärme lag er nahe null.

Wichtig ist die Spanne. Die besten Luftgeräte lagen mit 4,9 über manchen Erdwärmeanlagen. Planung, Heizkörper und Vorlauftemperatur prägen das Ergebnis also stark. Mehr dazu lesen Sie in unseren Artikeln zur Vorlauftemperatur und zu den Feldtests im Bestand.

Platz, Bohrung und Genehmigung

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe lässt sich laut Verbraucherzentrale fast überall umsetzen. Zu klären sind vor allem Aufstellort und Schall. Hinweise dazu finden Sie in unserem Artikel zur Lautstärke.

Für Erdwärme braucht es mehr Vorarbeit. Die Verbraucherzentrale nennt als grobe Orientierung:

  • Erdsonde: circa 20 Meter Bohrtiefe pro Kilowatt Heizleistung, Bohrungen bis etwa 100 Meter.
  • Flächenkollektor: rund 40 Quadratmeter Fläche pro Kilowatt Heizleistung.
  • Anlagen mit Erdreich als Quelle werden laut Umweltbundesamt bei der unteren Wasserbehörde angezeigt oder genehmigt.
  • Bohrungen tiefer als 100 Meter sind nach § 127 Bundesberggesetz zusätzlich der Bergbehörde anzuzeigen, mindestens zwei Wochen vor Beginn.
  • Erdwärmekollektoren benötigen laut Umweltbundesamt in der Regel keine zusätzliche Genehmigung. Die Details regeln die Bundesländer unterschiedlich.

Kosten und Förderung im Vergleich

Erdreich oder Grundwasser zu erschließen kostet laut Umweltbundesamt oft mehr als die Nutzung der Außenluft. Der Mehraufwand steckt vor allem in Bohrung oder Erdarbeiten. Eine zu knapp bemessene Sonde wirkt nur scheinbar günstig. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine spätere Erweiterung deutlich teurer wird.

Im Betrieb kann Erdwärme den Mehrpreis teilweise ausgleichen, weil sie weniger Strom braucht. Wie stark, hängt vom Strompreis und vom Haus ab. Ein Extra bietet Erdwärme im Sommer: Mit Fußboden- oder Flächenheizung kann der kühle Boden das Haus laut Umweltbundesamt temperieren, fast ohne Zutun der Wärmepumpe.

Bei der KfW gelten für beide Systeme dieselben Sätze: 30 Prozent Grundförderung plus mögliche Boni bis zu 70 Prozent. Der frühere 5-Prozent-Effizienzbonus für Erdwärme ist entfallen. Gefördert werden höchstens 28.000 Euro Kosten für die erste Wohneinheit, bei Antrag bis 31.01.2027. Bei teuren Erdwärmeprojekten liegt ein Teil der Kosten daher eher über dieser Grenze. Ab dem ersten Quartal 2027 sinkt die Grundförderung für Wärmepumpen auf 15 Prozent, dazu kommen 15 Prozent Bonus für Geräte aus der EU. Die Details erklärt unser Förder-Artikel.

Welches System passt zu Ihnen?

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe passt gut, wenn das Grundstück klein ist, wenn Sie Wert auf eine überschaubare Investition legen oder wenn Bohrungen am Standort schwierig sind. Mit guter Planung arbeitet sie auch im Altbau effizient.

Erdwärme lohnt einen genaueren Blick, wenn Platz für Bohrgerät oder Kollektor vorhanden ist, die Wasserbehörde zustimmt und Sie langfristig planen. Auch der Wunsch nach sanfter Kühlung im Sommer spricht dafür. Ein Fachbetrieb ermittelt zuerst die Heizlast. Daraus ergibt sich, wie groß Sonde oder Kollektor sein müssen.

Beispiel: Haus mit 10 kW Heizleistung (Faustwerte der Verbraucherzentrale, Beispielwerte)

Erdsonde: 10 kW × circa 20 m = rund 200 m Bohrtiefe

Umsetzung z. B. als zwei Sonden à etwa 100 m oder eine tiefere Bohrung

Ab mehr als 100 m Tiefe: zusätzlich Anzeige bei der Bergbehörde (§ 127 BBergG)

Flächenkollektor: 10 kW × rund 40 m² = etwa 400 m² Gartenfläche

Luft-Wasser-Wärmepumpe: Außengerät mit geeignetem Aufstellort, Abstand zum Nachbarn beachten

Die genaue Auslegung ergibt sich aus der Heizlastberechnung des Fachbetriebs.

Beide Systeme heizen zuverlässig. Erdwärme punktet bei der Effizienz, die Luft-Wasser-Wärmepumpe bei Aufwand und Flexibilität. Den Ausschlag geben Ihr Grundstück, die Vorgaben vor Ort und Ihr Budget. Mit unserem Förder-Rechner sehen Sie in wenigen Minuten, welcher Zuschuss für Sie möglich ist. Wenn Sie möchten, holen Sie danach ein unverbindliches Angebot von einem Fachbetrieb ein, der beide Varianten für Ihr Haus prüft.

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